Zwischen Leistungssport und Beruf

Yannik Liedtke auf dem Weg zum Ironman

Yannik Liedtke, Veolia Water Technologies Deutschland

Unser Mitarbeiter Yannick Liedtke ist Leistungssportler und zuständig für Vertrieb und Geschäftsentwicklung Aid & Military bei Veolia Water Technologies am Standort in Celle. Die mobilen Anlagen, die von Kunden für Sondereinsätze in schwierigem Gelände exklusiv gebaut werden, erfordern häufige Geschäftsreisen, Außeneinsätze und kurzfristige Termine. In seiner Freizeit ist Yannick seit vielen Jahren als Sportler aktiv. 

Der Triathlon ist eine neue Herausforderung für ihn und besteht aus den vielseitigen und trainingsintensiven Ausdauerdisziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen. Veolia Water Technologies Deutschland unterstützt ihn dabei.

Hier berichtet er regelmäßig von seinen Erfahrungen und Erlebnissen auf seinem Weg zum erklärten Ziel: die Teilnahme am Ironman in Hamburg am 13.08.2017. Wie lassen sich Berufsleben und Leistungssport mit einander vereinbaren? Welche Chancen und Risiken bringt der Leistungssport für die eigene berufliche Karriere? Höhen und Tiefen.

Servus zusammen und willkommen zu meiner Reise zum Ironman Hamburg!

Blog 1

Yannik Liedtke 2017 beim Ironman
Das erklärte Ziel: Hamburg 2017

Mein Name ist Yannick Liedtke, 27 Jahre alt, 2 jüngere Brüder und geborener Celler. Ich würde mich selber als Bewegungsfanatiker, Teamplayer und überaus zielstrebig beschreiben. Generell betreibe ich Sport schon seit frühster Jugend, das auch über alle erdenklichen Ballsportarten hinweg. Wirklich hängen geblieben bin ich aber von Anfang an beim Tennis, Beachvolleyball und, seit 2 Jahren, auch irgendwie beim Laufen. Hätte mir damals jemand vorgeschlagen, einfach nur laufen zu gehen oder gar an einem Ausdauer-Wettkampf teilzunehmen, da hätte ich wohl nur ein müdes Lächeln über die Lippen bekommen und mich einer anderen Beschäftigung gewidmet. Doch mittlerweile bin ich beim Ausdauersport endgültig angekommen.

Seit meinem 17. Geburtstag arbeite ich bei Veolia Water Technologies GmbH. Ganz genau! Inklusive meiner Ausbildung habe ich mehr als ein Drittel meines Lebens zusammen mit dieser Firma verbracht. Wenn das mal kein Statement ist! Wenn ich mich mit einigen Trainees oder VIE’s (ich übersetze es immer gerne als „very important employees“ aber genauer gesagt ist es für Kollegen und Kolleginnen aus dem Ausland, die das „Pangeo Programm“ durchlaufen) beim Lunch unterhalte und ich sie über meine „Veolia Zeit“ aufkläre, versetzt das die meisten zunächst in ein Staunen. „10 Jahre die gleiche Firma?!“ Ich denke, die meisten zieht es in den 20igern, während bzw. nach dem Studium in die Welt hinaus, die Welt sehen, viele Erfahrungen sammeln. Ging mir am Anfang genauso! Aber ich habe mich entschieden, einen Mittelweg zu gehen. Natürlich liebe ich es zu reisen! Auf der anderen Seite gefiel und gefällt mir immer noch die Arbeit und das geniale Betriebsklima bei Veolia sehr. Ich kann mich damit absolut identifizieren. Das ist der Grund warum ich versuchte, alles unter einen Hut zu bekommen und nicht Vollzeit zu studieren oder gar ein Sabbatical einzulegen.

Seitdem ich bei Veolia Vollzeit arbeite, habe ich eine Fortbildung nach der anderen gemacht, was zuletzt in meinem Studium zum Wirtschaftsingenieur gipfelte. Ohne übertreiben zu wollen, darf ich sagen, dass das zwischenzeitlich echt hart war. Die Auslandsreisen (teilweise wochenlang) haben sich natürlich nie nach meiner Planung für das Studium oder gar Prüfungen gerichtet. Meistens hat sich beides überschnitten. Mir war von Anfang klar, dass meine Prioritäten zunächst die Arbeit und dann das Studium darstellen mussten. Das resultierte in einigen Fehlstunden in der Uni und sehr, wirklich sehr späten Abenden, um das Verpasste wieder aufzuholen. Sport konnte ich meistens auf meinen Auslandsreisen kompensieren, ich hatte ja schließlich immer meine Laufklamotten dabei und mein Umfeld war meistens „sicher“, ich war also selten in Krisengebieten unterwegs. Diese Zeit hat mich allerdings auch sehr mit der Firma verbunden. Veolia und meine unterschiedlichen Vorgesetzten haben meine Fortbildung und das Studium immer unterstützt, teilweise sogar ermöglicht, und ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit darstellt.

Derzeit arbeite ich in der Abteilung Aid & Military Water Solutions als Sales & Business Development Specialist und ich kann berichten, das es eines der vielseitigsten Geschäfts- und Tätigkeitsfelder ist, die man sich vorstellen kann. 

Als kleine Einführung: Stellt Euch mal vor, die UN oder Bundeswehr baut irgendwo in Afrika aus dem Nichts ein Camp für 1000 Personen + X auf, das Ganze natürlich innerhalb weniger Wochen. Was benötigt man als Erstes, wenn nichts vorhanden ist? Richtig! Wasser. Und da kommen auch schon wir ins Spiel. Was die Firma wirklich gut kann und wo wir meines Erachtens auch weit vor dem Wettbewerb liegen, ist Wasseraufbereitungsanlagen aufgrund von Rohwasseranalysen auszulegen. Die Anlagen in unserem Geschäftsfeld zeichnen sich durch ihre Robustheit und sichere Verfahrensweise aus. Wir sagen gerne, die Systeme sind „soldier save“, das bedeutet die Sicherheit des aufbereiteten Wassers wird durch den Prozess gewährleistet. Auf der anderen Seite pflegen wir schon über viele Jahre gute Beziehung zu Hilfsorganisationen. Wenn beispielsweise in Deutschland die Trinkwasserversorgung zusammenbricht und Trinkwasser für die Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden muss – denken wir an die Flutkatastrophe aus dem Frühjahr 2016 – dann kommt das THW zum Einsatz. Und ratet mal, von wem die Trinkwasseraufbereitungsanlagen kommen? ;) Wir arbeiten auch schon lange mit den Rotkreuz-Organisationen zusammen und ich versuche nach Möglichkeit, immer an deren Trainings an Wasseraufbereitungsanlagen teilzunehmen (auch an Wochenenden). Man erhält bei solchen Veranstaltung einfach ein authentisches Feedback über die Performance von unseren Anlagen im Ausland und wo wir noch besser werden können! Die Kreativität der Helfer von den internationalen Rotkreuz-Organisation, finde ich dabei am beeindrucktendsten. 

Ja und dann… dann ist da noch mein neues Ziel, mein sportlicher Mount Everest. Die Langdistanz beim Triathlon – 3,8 km Schwimmen, 180,2 km Fahrradfahren, 42,2 km Laufen – der Ironman am 13.08.2017 in Hamburg. 

Wie schon erwähnt, ich war früher nie der große Ausdauersportler. Ich meine, ich brauchte immer einen Ball vor mir, dem ich hinterherjagen konnte. Nun hat es sich aber ergeben, dass wir von der Firma aus im Januar/ Februar 2016 das Training für den Wasalauf in Celle begonnen haben. 

Zur Vorbereitung hat sich in der Firma eine Laufgruppe gebildet, die immer in der Mittagspause eine gut 7,5 km lange Strecke absolviert hat. Na ja, und daran habe ich das erste Mal teilgenommen, dann das zweite Mal und auf einmal war das Laufen ein fester Bestandteil in meiner Arbeitswoche. Auch nach dem Wasalauf habe ich mit dem „eisernen Bestand“ der Laufgruppe weitergemacht und überlegt, was ich mir als nächstes Ziel setzen kann. Die Konsequenz daraus war dann zunächst ein Halbmarathon, dann ein Marathon und dann habe ich überlegt was jetzt darauf folgen könnte. Und dann war da der Kumpel, der in Maastricht 2016 den Ironman absolviert hat und ich wusste nun, was ich als nächstes tun wollte. 

Rückblickend muss ich sagen, dass mir diese Entscheidung, den Ironman anzugehen, nicht schwer viel. Ich wusste, dass ich mich darauf vorbereiten musste, gar neue Sportarten erst für mich entdecken musste, und das war gar nicht so einfach. Ja, ich könnte es fast als Drama oder eher einzige Nahtoderfahrung beschreiben, nach meinen ersten Versuchen, die 25 m Bahn im Kraul-Stil im Celler Hallenbad zu schwimmen. Später hatte ich auch mein erstes Meeting beim Laufen. Aber dazu kommen wir noch in den nächsten Wochen step-by-step!

Mit bestem Gruß aus Celle

Yannick

Aller Anfang ist schwer – Mit Struktur und Willen zum Trainingsplan

Blog 2

Yannik Liedtke 2017 beim Schwimmtraining in der Aller
Schwimmen wie ein Fisch - hier bei 3°C Außentemperatur in der Aller

Willkommen zurück! Nach meinem ersten Beitrag und dem Überblick zu meiner Person möchte ich Euch nun von meinem Trainingsbeginn berichten.

Voller Elan und maximaler Motivation habe ich angefangen meinen Trainingsplan zu erstellen. Natürlich musste ich mich erst einmal mit den Rahmenbedingungen beschäftigen und mein Umfeld darüber in Kenntnis setzen. Rahmenbedingungen: Es war November, bitter kalt, spät hell, früh dunkel, ich hatte noch kein Zeitfahrrad, ich war kein toller Schwimmer (mittlerweile meine beste Disziplin) und ob ich einen Marathon Laufen kann wusste ich auch nicht. Ebenfalls galt es meine Freunde, Familie, Kollegen und meinen Chef über das neue Ziel in der Freizeit zu informieren. Die Reaktionen waren überaus vielseitig, teilweise ermutigend, teilweise herausfordernd. Kleines Beispiel aus der Familie: „Yannick, Du musst es immer übertreiben, Du hast noch gar keine Erfahrungen in Sachen Triathlon und jetzt gleich so etwas?!“

Ja, an sich ist die Logik nachvollziehbar, vielleicht pflichten da auch beim Lesen einige bei, es ist häufig sinnvoller zunächst eine mittlere Distanz herauszusuchen oder zunächst einen Marathon und sich dann zu steigern… Whatever! Ich bin chronischer Herausforderer und eher der Visionär, der sich gerne selbst an seine Grenzen bringt, also her mit dem Maximum an Herausforderungen! Das motiviert mich nur umso mehr (außerdem hatte ich zu dem Zeitpunkt schon 547 € Startgeld + 150 € Nirvana Entry für die Unterbringung in Hamburg bezahlt- Spornt ebenfalls an :D) !
Also erster Schritt das Oberziel – Zielankunft Ironman 2017 – in Teilziele aufteilen.

Teilziel I Schwimmtechnik: Kraulen lernen

Teilziel II Ausdauer: Durch Laufen

Teilziel III Radfahren: vor allen Dingen Rad beschaffen!

Mein erstes Teilziel war es also, mir eine ordentliche Schwimmtechnik anzueignen. Vor dieser Disziplin hatte ich den größten Respekt, da ich wenig Erfahrung darin hatte. Bis dato war ich immer der entspannte Freibadtyp, der sich eher in die Sonne legt, Beachvolleyball spielt und zum Abkühlen ins Wasser springt. Hallenbad eigentlich nie. Wie ihr seht, hilft mir meine bisherige Historie in Sachen „Schwimmtechnik“ noch nicht ganz viel weiter, mein erstes Teilziel zu erreichen. Mein Plan sah also so aus, erst einmal einen theoretischen Grundstein für die neue Sportart zu legen. Wie geht das im 21. Jahrhundert am einfachsten? Genau, das Internet und viel, viel Youtube. Tatsächlich, so habe ich angefangen! Ich habe mir viele Erfahrungsberichte und Erklärung für den „richtigen Einstieg“ durchgelesen und massenhaft Youtube Videos angeschaut und ich sage euch, es sah so unendlich einfach aus. 
Nach ein paar Tagen der Vorbereitung war ich dann soweit, dass ich in die Praxis wechseln wollte, also habe ich mir als nächstes meine Wochenplanung und die Öffnungszeiten im Hallenbad angeschaut.

Dienstags – Freitags öffnet das Freibad bereits um 06:00 Uhr… Mein Gedanke: Genial! Ich kann 4 mal in der Woche vor der Arbeit schwimmen gehen, ohne dass das Einfluss auf meine sonstige Wochenplanung hat. Ich muss halt nur etwas früher aufstehen! An sich war ich schon immer Frühaufsteher, aber als 05:00 Uhr der Wecker das erste Mal geklingelt hat, war es schon hart. Üblich war sonst zwischen 06:30 – 07:00 Uhr und Sport (meist Tennis oder Fitness) nach dem Feierabend 18:00 – 20:00 Uhr. Glücklicherweise haben wir bei Veolia Gleitzeit und wenn das mit den Aufgaben zu vereinbaren ist, haben wir dadurch eine geniale Flexibilität. Sehr zufrieden habe ich mir direkt für den nächsten Morgen das Hallenbad vorgenommen. Schnell noch eine Schwimmbrille besorgt, die passende Badehose dazu (sorgt auch heute noch im Freundeskreis für Lacher) und dann ging es schon ins Becken. Ich habe mir extra einen Trainingsplan mit Technikübungen mitgenommen. Ich wiederhole: Schwimmen sah bis dato echt easy aus.

Kick- off im Schwimmbad: Neben mir waren einige ältere Damen und Herren, aber auch einige mittleren Alters die schon eine sehr gute Figur beim Kraulen gemacht haben. Also erst einmal entspannt gemäß Trainingsplan die 100 Meter (4 x 25 m Bahn) Kraulschwimmen zum Warmmachen, los geht’s! Nach ungefähr 15m musste ich abbrechen, da ich so viel Wasser bei der seitlichen Atmung verschluckt hatte, dass ich keuchend am Beckenrand hing. Ich erinnere mich, dass auch der Bademeister leicht besorgt geschaut hatte, er befürchtete womöglich, schon vor 7 Uhr das erste Mal aktiv eingreifen zu müssen. 

Nach 30 Sekunden verschnaufen, nächster Anlauf: Langsamer, Kopf weiter aus dem Wasser und atmen. An diesem Tag war ich irgendwann soweit eine 25 m Bahn zu schwimmen, allerdings total KO und total aus der Puste. Zusammenfassend für den ersten Tag kann ich festhalten: das war ein Totalreinfall. 3,8km am Stück? Schwer vorstellbar. Ich musste schnell besser werden. Also folgte die Ursachenanalyse woran es gelegen haben könnte und plante für den Abend: weiteres Studium von YouTube Videos. Als ich nach dem ersten Schwimmtraining meinem Kollegen über meine Erfahrungen/ Erkenntnisse berichtete, gab es für ihn viel zu lachen, am besten hat ihm wohl der Part mit der Schwimmbadehose (okay ich sag es: Speedo) gefallen. 

Die ersten Tage gab es erst einmal einen gehörigen Muskelkater im Latissimus und mein Kaffeekonsum stieg gehörig an. Letzteres lässt sich meines Erachtens auf den anhaltenden Chlorgeruch zurückzuführen, den ich nach dem Duschen noch immer in der Nase vernahm. Chlor führte bei mir schon immer zu einer Trägheit, die sich nur mit Kaffee kompensieren ließ. Aber aufgeben? Keine Chance!

Zwischen Beruf und Training – Erste Herausforderungen

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Eine BERKEFELD M4 light-Anlage beim Einsatz in Pakistan
Eine BERKEFELD M4 light Trinkwasseraufbereitungs-Anlage beim Einsatz in Pakistan

Teilziel II: Ausdauer steigern

Mich hatte der Ehrgeiz also gepackt, die Schwimmtechnik zu erlernen und ich wurde von Mal zu Mal besser. Zu dem Zeitpunkt hatte ich von der Arbeit aber sehr viel mit Bundeswehrinstandsetzung zu tun und ich hatte überlegt, bei einem unserer Standardprodukte BERKEFELD® M4 light" (früher TWA 4 light genannt) ein neues Filtermaterial zu testen. Von der BERKEFELD M4 light möchte ich gerne erzählen. 

BERKEFELD® M4 light"-Anlagen bestehen hauptsächlich aus einem Sand- und Aktivkohlefilter und werden häufig von Hilfsorganisationen/ UN für die „Disaster Response“ eingesetzt. Es geht darum nach einer Katastrophe schnell und viel sicheres Trinkwasser zu produzieren, um die Bevölkerung zu versorgen. Ich persönlich finde das Produkt spitze. Es ist einfach und hat nicht diesen hohen Automatisierungsgrad, wie es heute viele Wasseraufbereitungsanlagen vorweisen. Klar, man braucht bei diesen Systemen wenig Manpower, die Anlage macht das meiste ja von allein und Schulungen sind schneller durchführbar, aber genau hier liegt auch die „Krux“. Im Auslandseinsatz müssen die Anlagen funktionieren und laufen. Gerade weil Katastrophen häufig die Länder treffen, die keine ausreichende Katastrophenkontermittel vorweisen können. Wenn etwas einmal nicht wie geplant funktioniert, müssen die Helfer, die die Anlage betreiben in der Lage sein, die Anlage mit vorhanden Mitteln zu reparieren. Hier bildet sich der Vorteil der BERKEFELD M4 lights meines Erachtens am stärksten heraus. Die Anlage wird komplett manuell und mit Dieselpumpen betrieben und die Helfer müssen verstanden haben, wie das System funktioniert um es zu betreiben. Wenn etwas kaputtgeht, kann man sich vergleichsweise einfach selbst behelfen. Ein Grundverständnis ist ja bereits geschaffen. Das ist mit automatisierten Anlagen häufig nicht der Fall. Da müssen dann Techniker kommen um die Anlagen wieder nutzbar zu machen. Hilfsorganisationen haben leider weder die Logistik, noch die Mittel wie es häufig z.B. Militärs innehaben. 

An der BERKEFELD® M4 light wollte ich gerne den Transport weiter optimieren, deswegen planen wir im August 2017 eine Testreihe zu beginnen, um ein neues Filtermedium zu testen. Sand ist schwer und die Anlagen müssen häufig vor Ort die letzten 100m auch per Hand getragen werden. Mit dem neuen Filtermedium könnte man das Gewicht vom Sandfilter um 72% reduzieren. Das wäre gigantisch aber harte Entwicklungsarbeit die viel Zeit kostet.

In den Mittagspausen ging es zu der Zeit dann immer wieder raus, bei eisigen Temperaturen laufen. Die Kollegen aus der Laufgruppe und ich haben unsere Standardstrecke in Altencelle in Angriff genommen. Mittlerweile war ich von meiner Wochenplanung her soweit, dass ich mindestens 3 Mal in der Woche 7,5 -10 km in der Mittagspause Laufen war. Und für alle die darüber auch nachdenken, Duschen sind bei uns jedenfalls vorhanden. Das ist schon mal eine Voraussetzung um das Training so umzusetzen. 

Mitte November hat mich dann der Vater meiner besten Freundin dazu überredet, an einem Hindernislauf teilzunehmen. Einer aus deren Gruppe war kurzfristig ausgefallen. Das erschien mir eine gute Gelegenheit für einen Testlauf meiner Ausdauer. Bei dem Hindernislauf handelte es sich um das „Getting Tough Race“ am 03.12.2016 in Rudolstadt. Kurz zur Erläuterung: 24 km, 140 Hindernisse. Ich war eigentlich gar nicht im Training für so etwas und ich hatte außerdem Angst vor kaltem Wasser und anschließendem Laufen - ich weiß was ihr denkt: Warmduscher! Trotzdem, es war eine Herausforderung die mich irgendwie reizte und somit ging ich mit dem Team „Ratzeputz“ aus Celle an den Start.

Ich muss zugeben, das war eine der härtesten Erfahrung die ich bisher gemacht hatte. 200m nach dem Start ging es direkt ins Wasser baden (-3°C Außentemperatur), dann nass über die 20 km lange Laufstrecke, bei der 1000 Höhenmeter und einzelne Hindernisse überwunden werden mussten. Die letzten 4km beinhalteten nochmal 100 Hindernisse. Das THW war auch da und hat seiner Kreativität in Sachen Hindernisse und Wasser freien Lauf gelassen - Im Anschluss an das Rennen hatten wir natürlich noch ein sehr ausführliches Gespräch über die Qualität des eingesetzten Wassers. Kälte, Feuchtigkeit, Laufen, Klettern....Am Ende hatte ich fiese Krämpfe in den Waden, aber das Team „Ratzeputz“ hat es gemeinsam vollständig und stolz ins Ziel geschafft. Es war wirklich hart, aber genau die richtige Erfahrung zur richtigen Zeit um den inneren Schweinehund zu fordern. 

Bei dem Lauf habe ich viel an den Ironman gedacht und mir überlegt wie die Belastung im Vergleich dazu ausfallen könnte und was ich bei meinem Training vielleicht zusätzlich berücksichtigen sollte…Definitiv Stabilitätsübungen! Das wurde mir bei den Reifen- und Gleichgewichtshindernissen immer wieder bewusst. Es geht also nichts über frühe Testläufe! Auch für die M4 light.

Danke noch einmal an die Truppe die mich durch das Rennen gezogen hat. 

Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Blog 4

Triathlonrad
Yannick auf seinem Triathlonrad im Wettkampf

Teilziel III. Fahrrad beschaffen:

Nach dem erfolgreich absolvierten „Getting – Tough“ Lauf habe ich mich mit dem Thema „Rennrad oder Zeitfahrrad?“ auseinandergesetzt und musste erst einmal nachvollziehen wo dabei eigentlich der Unterschied zwischen den beiden Varianten liegt. Ich bin mir sicher, Euch allen ist das natürlich durchaus bewusst, aber für jene die sich noch nicht ganz sicher sind bei dem Thema, hier die beiden hauptsächlichen Unterscheidungsmerkmale:

1.) Die Geometrie: Das Triathlonrad (oder auch Zeitfahrrad) hat einen etwas steileren Sitzwinkel. Heißt: Das Oberrohr (oder auch „die Stange“) ist kürzer, das Sitzrohr (an dessen Ende der Sattel steckt) ist steiler. Bei Rennrädern beträgt der Winkel von Sitzrohr zur Fahrbahn meist 73 Grad. Durch den steileren Winkel beim Triathlonrad (bis zu 90°), hat der Fahrer mehr Gewicht auf dem Lenker (Verhältnis 70 % Lenker, 30 % Gesäß). 

2.) Der Aerolenker: Statt des gebogenen Rennradlenkers hat ein Triathlonrad einen Liegeaufsatz (Aerobar) und einen Hornlenker um den höheren Druck auf die Arme zu entlasten. 

Das bringt einige Vorteile beim Triathlon mit sich: Mehr Entlastung für die Beine (die müssen ja im Anschluss noch laufen können) und höhere Aerodynamik spart Energie. Mit Bergen und steilen Kurven hat man ja beim Triathlon selten zu tun, da wäre das Rennrad im Vorteil. Ein Triathlonrad ist grundsätzlich schon seine Investition wert. Allerdings braucht man dafür auch etwas Erfahrung mit der Fahrweise.

Also schaute ich mir unterschiedliche gebrauchte Rennräder und Zeitfahrräder im Internet und bei Bekannten an, um festzustellen, welche Variante die Richtige für mich ist. 

Ich muss leider zusammenfassen, dass je mehr Wissen ich mir damals aneignete, desto unsicherer wurde ich mir mit meiner Entscheidung. Die Rad- Distanz ist mit 180,2 km und kalkulierten/ angestrebten 6 Stunden Wettkampf auf dem Fahrrad, die längste der 3 Disziplinen. Die richtige Materialauswahl und optimale Ergonomie sind dabei von entscheidender Bedeutung. Vor diesem Hintergrund habe ich mir viel Zeit gelassen und mich auch umfassend beraten lassen (Es war ja Winter und trainieren konnte ich für diese Disziplin eh noch nicht). Nach längeren Diskussionen mit einem Bekannten, der den Ironman in Maastricht 2016 absolviert hat, fiel meine Entscheidung schließlich auf ein Zeitfahrrad. 

Eine gehörige Investition stand also im Raum und musste mit Bedacht eingesetzt werden. Kalkuliert hatte ich damals mit 1.500 – 2.000 €. In dieser Preiskategorie habe ich einige gute gebrauchte Fahrräder im Internet gefunden, aber nicht in direkter Umgebung mit meiner notwendigen Rahmengröße (Körpergröße: 193 cm). Ja und dann kam mir die zündende Idee: Dienstleasingfahrräder?! Gibt es da nicht vielleicht sogar Zeitfahrräder?! Kurz überlegt und gleich den Internetbrowser geöffnet! Und tatsächlich bin ich auf unserer Leasing-Website von Veolia auf Zeitfahrräder zur freien Konfiguration gestoßen! Das Programm bietet nagelneue Fahrräder von Top-Herstellern zu Vorzugspreisen und erschwinglichen Konditionen. 

Das Leasing- Angebot von Veolia hat optimal in meine Planung gepasst. Ich konnte ein neues Zeitfahrrad vom Vertragshändler, individuell auf mich angepasst, beziehen und kann dieses über 36 Monate über die monatliche Gehaltsumwandlung abzahlen. Darin inbegriffen ist sogar der Premiumschutz (Diebstahl, Verschleiß etc.), so dass sich bei der Variante noch echt Geld sparen ließ! Wenn der Arbeitgeber also sowas anbietet, muss man die Chance nutzen! Gesagt- getan! 2 Wochen nach meinem Besuch bei dem Vertragshändler hatte ich mein Fahrrad und bereits mein erstes Bike-Fitting kurz vor Weihnachten. Geniales (Vor-) Weihnachtsgeschenk an mich selbst. Von meinen Eltern habe ich mir dann noch einen Rollen-Trainer zum Einspannen von dem Fahrrad gewünscht, so dass ich mir am 2. Weihnachtstag die erste Stunde auf dem Rollen-Trainer zuhause gegönnt habe. 

Kurz vor Silvester dann das unschöne Erwachen, ich hatte die ersten Knieschmerzen. Der Vertragshändler war in Sachen „Zeitfahrrädern und Fitting“ wohl leider doch nicht so „sachkundig“. Also ging es mit meinem neuen Fahrrad zum Beginn des neuen Jahres 2017 zu einem Spezialisten nach Hannover. In dem Laden habe ich dann eine „Body Geometrie Fit“ Vermessung unternommen (ich weiß! Wie? Bitte was?!). Bei dieser „Dynamischen Vermessung“ geht es darum die Beweglichkeit des Fahrers zu testen, anschließend den Körper zu vermessen und das Fahrrad dementsprechend anzupassen. Mit den neuen Einstellungen wird dann die Haltung über eine 3D Analyse mit einem Laser und Sensoren an den Gelenken beim Fahren auf einem Rollentrainer geprüft… Eine Wissenschaft für sich, aber eine die sich lohnt! 

Die Damen und Herren von „Laufrad Hannover“ haben einen legendären Eindruck bei mir hinterlassen und ich werde für neue, notwendige Schuhe/ Anbauten fürs Fahrrad, etc. auf jeden Fall wieder dahin. Man muss bei einem Besuch in solchen Spezialgeschäften echt aufpassen, dass man den Laden nicht direkt mit einem neuen Fahrrad verlässt! Zum Abschluss war festzuhalten, dass ich das Teilziel Fahrrad nunmehr erreicht habe! Das komplette Triathlon-Training konnte endlich beginnen.

Endlich komplett trainieren

Blog 5

Yannick beim Triathlon im Juli 2017
Zu schlank sein kann gefährlich werden beim Triathlon

Die wichtigsten Utensilien waren beschafft und endlich konnte ich ganzheitlich in die Vorbereitung einsteigen! Mein erstes halbes Jahr 2017 war konsequent durchgeplant und ich konnte folgendes Pensum fast kontinuierlich aufrechterhalten:

Pro Woche morgens 4 Mal Schwimmen vor der Arbeit, bedeutet solides 05:00 Uhr aufstehen, eine Banane verdrücken und dann um 6 Uhr Ankunft am Hallenbad / Freibad. Um 7 Uhr dann gut ausgepowert unter die Dusche. Ich muss festhalten, dass es ein geniales Gefühl ist, Sport schon so früh am Morgen (zumindest die erste Einheit) erledigt zu haben! 

Ab 07:15 Ankunft auf der Arbeit und netter Nebeneffekt, ich bin gleich produktiv von Anfang an. Den Satz möchte ich kurz erläutern… ich glaube jeder hat (der eine mehr, der andere weniger) mal einen Tag an dem man am Morgen hauptsächlich mit physischer Anwesenheit glänzt. Müdigkeit oder wetterbedingte Antriebslosigkeit können der Grund dafür sein. Ich nenne die Beobachtung gerne positiv die „Allgemeine Orientierungsphase“, in der man nach einem Anstoß für den augenscheinlich „harten Tag“ sucht. 

Nun ja, durch die erste absolvierte Einheit am Morgen und den daraus resultierenden Teilerfolgen, gab es diesbezüglich keine Probleme mehr! Durch den Kickstart geht der Arbeitstag mit Vollgas los. Versteht mich nicht falsch, das Aufstehen ist teilweise noch immer super hart und manchmal erwische ich mich, wie ich darüber nachdenke, dass ich heute einfach einmal liegen bleiben möchte… ABER mit dem Konjunktiv hat noch niemand einen Preis gewonnen! Und mit dem Sprung ins Wasser am Morgen, lohnt sich das rausquälen absolut!

Pünktlich um 12 Uhr zur Mittagspause turnusmäßig 2 – 3-mal die Woche zwischen 7,5 – 9,5 km laufen. Einmal zum Abend hin dann anstelle der Mittagspause eine Langdistanz 24 – 30 km. Target war es immer, in Summe pro Woche mindestens einen Marathon zu laufen.

Na ja und dann stand noch die dritte Disziplin aus. Zeitfahren. Ziemlich coole Nummer aber vom Training her am aufwendigsten. Man muss halt super viel Zeit dafür einplanen. In der Woche gab es abends 2-mal eine 40 – 60 km Tour und am Wochenende dann eine Langdistanz über 110 – 140 km. Und dann war der Tag auch hinüber! Ansatz ist es hier ebenfalls die Ironman Distanz über 180,2 km pro Woche darzustellen. Zum Abrunden des jeweiligen Tages gibt es dann auch immer Stabilisierungsübungen, also Muskeltraining. Darunter fallen Liegestütze / Klimmzüge / Bauchmuskulatur / Rücken – Planks. Und das 6 Mal die Woche. Straffes Programm!

Wenn man das so liest und hochrechnet kommt ihr schnell auf eine Trainingsdauer von 14 - 16 Stunden pro Woche. Bei 7 Tagen in der Woche also 2-2,5 Stunden Training an jedem Tag. Klingt zunächst gar nicht nach viel, ist es aber! Die Intensität ist der Grund. 

Ich musste während des Trainings mehr und mehr feststellen, dass der Tag mit seinen 24 Stunden einfach zu kurz war. Training - Arbeit - Training -Arbeit - Schlafen. Ich habe meine Energiezufuhr nicht mehr ausreichend organisieren können, da ich sprichwörtlich keine Zeit mehr zum Kochen/ Essen gefunden habe.

Durch diesen Umstand musste ich ziemlich schnell eine Gewichtsreduzierung von 7 Kg auf windschnittige 80 Kg verzeichnen. Bei 192 cm Körpergröße ist das für mich das untere Limit des Vertretbaren, mehr durfte auf keinen Fall runter – alles andere würde nicht nur voll „Banane“ aussehen, sondern auch gesundheitlich schlecht werden. Ich lag bei einem Kalorienverbrauch von durchschnittlich 3.000 – 4.000 Kalorien. Um dem entgegen zu wirken, habe ich meine Ernährung komplett umgestellt und musste zu Nahrungsergänzung (logisch) und vor allen Dingen Nahrungssubstitution greifen. 

Wie bitte? Mit letzterem können die wenigsten Wohl etwas anfangen. Bei Nahrungssubstitution geht es darum alle notwendigen Mineralien/ Vitamine/ Ballaststoffe/ Proteine über Pulvermahlzeiten zu sich zu nehmen. Ich fand sowas immer schwachsinnig und war nun allerdings durch die Rahmenbedingungen dazu gezwungen. Dann habe ich HUEL® ausprobiert. Die Herkunft dieser Idee ist …. nennen wir es zeitgemäß. Das bedeutet konkret, dass FACEBOOK (!!!) auf seinem Werbebanner dafür geworden hat und ich neugierig wurde. Diese individualisierte Werbung macht einem mittlerweile wirklich Angst. Na ja egal, denn ich brauchte dringend Hilfsmittel. Nach dem ersten Mal ausprobieren… Geniales Zeug! Es stellt sich als veganes Pulver aus einer Mischung von Haferflocken, Erbsenprotein, Leinsamen, Reisprotein, Vanillegeschmackspulver, MCT-Pulver aus der Kokosnuss, Sonnenblumenlezithin und einer Vitamin- und Mineralstoffmischung dar. Prinzipiell also sehr biologisch und gesund. Schmeckt auch noch super. Na ja am Anfang zumindest, irgendwann fängt man dann an es mit allem erdenklichen zu strecken um Abwechselung rein zubekommen: 

Voilà: Man nehme Instant Coffee am morgen, am Mittag wird die Lösung mit gefrorenen Früchten im Mixer kombiniert und abends gibt gab es HUEL® häufig auf einer Milchbasis. Alkohol gab es natürlich auch gar keinen mehr. Ich fühlte und fühle mich immer noch unglaublich gut damit – vielleicht lasse ich es auch zukünftig ganz mit dem Alkohol. 

Wenn ich meinen Vorbereitungsweg rekapituliere, muss ich festhalten, dass es ohne die Ergänzung / Substitution wohl nicht gegangen wäre. Fluch und Segen gleichermaßen ist wohl meine sehr schlechte Nahrungsumsetzung generell. Diese resultiert aus natürlichen Gründen darin, dass ich viele Dinge essen kann, ohne auf Gewichtszunahme aufpassen zu müssen, im Umkehrschluss nehme ich aber auch sehr schnell/ stark ab, wenn ich viel Sport mache und dabei wenig esse. Zusammenfassung: Mein Stoffwechsel ist einfach nicht effektiv. Hier hätten tatsächlich die Sportler unter euch einen Trainingsvorteil, die im Gegenteil eher schnell zunehmen!

Wie dem auch sei, durch die Unterstützung habe ich das Problem „Gewicht“ gut in den Griff bekommen, nächste Baustelle: Soziale Kontakte/ Freundschaftspflege? Luxus! Bei dem Pensum, wie kann man da noch "Freizeit" haben?

Freizeitfreie Zone

Blog 6

Yannick mit einem Teampartner in Action beim Sportscheck Lauf
Das Team mit dem man trainiert ist entscheidend

Das Training lief auf vollen Touren, mein Gewicht blieb endlich stabil und der erste Wettkampf war in Sichtweite. Alles im Griff soweit. Naja, bis auf das soziale Leben. Freundschaftspflege? Party? Soziale Kontakte? Purer Luxus!

Mein Freundeskreis wusste zwar über mein Vorhaben Bescheid, jedoch hat die Intensität die eine oder andere Person dann doch vielleicht überrascht. Ich habe anfangs noch versucht 2 Abende pro Woche für „gesellschaftliche Events“ freizuhalten. Gleichwohl war ich sehr unflexibel mit der gewünschten, teilweise sehr kurzfristigen Umplanung aufgrund von gesellschaftlichen Events oder Abendveranstaltungen für gesetzte Trainings. Da gab es nach den ersten 2 Mal an denen ich das Training gestrichen hatte, direkt ein schlechtes Gewissen, wodurch ich diese Inkonsequenz sofort wieder unterbunden hatte… mit dieser an den Tag gelegten Kontinuität, habe ich mich dann selbst überrascht. 

Unterm Strich hieß das, dass ich einfach sehr viel weniger Zeit mit Freunden verbringen konnte… Da musst du Prioritäten setzen: Training hat aufgrund des klaren Ziels dann leider Vorrang bei mir. Bei meinen Eltern war ich indessen häufiger als früher… Vielleicht auch um mich bei der ein oder anderen Mahlzeit durchzuschnorren?!... SHAME! (Als Anlehnung an den „Walk“ von Cersei bei Game of Thrones)

Ich werde das Trainingspensum nach dem Ironman auch wieder runterfahren und dann läuft das mit den „sozialen Kontakten“ hoffentlich wieder nach gewohnter Manier… 

Es sei denn ich pack das am 13.08.2017 nicht, dann wird das Trainingspensum bis zum Ironman 2018 aufrechterhalten und ggfs. aufgestockt. Die Teilnahme an dem Event ist für mich persönlich eine sichere Sache, aber ich bin mir auch klar darüber, dass immer eine Verletzung meine bisher größte sportliche Herausforderung beenden kann. Ich meine die letzten 10 Monate zielen nur auf diesen eine Tag hin und dann muss auch einfach alles passen! Keine Wehwehchen, keine Erkältung, keine Überanstrengung. 

An dem Tag musst Du bei 100% Einsatzbereitschaft liegen! Physisch, aber auch ganz wichtig vom Kopf. Die Distanz wird häufig als „Willensdistanz“ beschrieben. Man darf sich von dem Flair, dem Umfeld, der Atmosphäre und den anderen Wettkämpfern nicht direkt mitreißen lassen, sondern sein eigens Rennen laufen/fahren/schwimmen. Sonst nimmt dich die Distanz eiskalt auseinander und man ist nur noch auf dem Zahnfleisch unterwegs. Daher hat dieser Wettkampf für mich ganz einfach den höchsten Stellenwert im Augenblick. Und ich bin froh darüber, dass meine Freunde mich dabei auch unterstützen.

Lustiger Nebeneffekt und eine gute Kombination aus Sport und Freundschaftspflege ergab sich z.B. aus dem morgendlichen Schwimmtraining. Einige Freunde nahmen sich vor, morgens mit mir Schwimmen zu gehen, ebenfalls mein Bruder der nach einem Jahr Sabatical zurück kam. Die Whatsapp Gruppe „Schwimmcrew“ wuchs stetig an, es gab sogar Einheiten am Morgen im Freibad, da waren wir zu Sechst und haben damit die Hälfte der morgendlichen Schwimmer im Freibad gestellt. Der Support im Training ist definitiv wichtig. Und der gab mir noch einen Extraschub dank meiner Freunde und der ganzen Schwimmcrew!

Die Kombination mit dem Job ist nach wie vor nicht ganz einfach. Das kannte ich aber auch schon vom Studium. Dennoch ist die Motivation, beruflich und sportlich immer dran zu bleiben, die eigentliche Herausforderung. Ich habe das große Glück und Pech zugleich, in einer Funktion zu stehen, die sehr projektfokussiert und damit einem Sinusverlauf gleichkommt. Es gibt Peak-Phasen und damit Zeiten, in denen man bis 10 Uhr Abends, teilweise bis halb 1 in der Firma sitzt. Natürlich kommen Tender/ Engineering Projekte dann natürlich auch immer gleichzeitig!! 

Aber im Kontrast dazu gibt es dann Zeiten in denen man sich besser um potentielle Kunden kümmern kann. Besuche oder Business Development für den Kunden. Da entstehen dann viele Termine, die flexibler wahrnehmbar sind und wo man auch leicht Zeit für Training UND Freunde gleichermaßen findet. Ich glaube die Kernkompetenz die sich dabei am meisten bei mir entwickelt hat, ist die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Bedingungen und daraus resultierend das Management von zeitweise komplexen Problemsituation mit hohen Belastungen.

Wichtig ist vielleicht herauszustellen, dass die Arbeit bei Veolia Water Technologies echt Spaß macht. Sonst würde ich es auch nicht schon so lange machen. Dieser Luxus ist auch darin begründet, dass man halt auch echt coole Leute um sich herum hat. Dabei zählen halt nicht nur berufliche, sondern vor allem auch soziale Kompetenzen im Team die dazu führen, dass dann auch alle an einem Strang ziehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir für jedes Problem eine Lösung finden können und werden… Allerdings bei dem „wie“ können wir selbstverständlich immer ein Stück besser werden. Diese Gewissheit klingt subtil, sorgt aber für einen hohen Identifikationsgrad bei mir. 

Und diese Lust sich ständig verbessern zu wollen, trägt mich in gewisser Weise auch durch das harte Training für den Ironman. und zu meinem ersten großen Wettkampf und Testlauf: mein erster Volks- Triathlon in Müden/Örtze und natürlich die Generalprobe beim Hamburg Wasser World Triathlon.

Der erste Triathlon

Blog 7

Yannick mit in Müden/Örtze 2017
Von erfahrenen Triathleten lernen heißt siegen lernen

Die Vorbereitungen liefen fast von allein, das Ziel stand im Fokus, das Material war vollständig! Am 02.07.2017 stand der erste Triathlon meines Lebens an! Es ging nach Müden/ Örtze! Der Triathlon wird in unserem Landkreis schon fast aus Tradition von Triathleten wahrgenommen. Er besteht aus einer Kurzdistanz, 450 m Schwimmen, 23 km Radfahren und 4 km laufen. Klingt von den Distanzen her erstmal machbar – Volkstriathlon halt. Natürlich hängt diese Aussage von den Ambitionen für den Lauf ab, z.B. das Ziel unter einer Stunde zu bleiben, oder der Gegensatz dazu, einfach nur meinen ersten Triathlon schaffen zu wollen. Ich habe mir letzteres Ziel vorgenommen. 

Die größte Gefahr bei solchen Läufen ist einmal die kurze Distanz und das Empfinden: “ Das kann ich im Renntempo durchziehen!“. Zweite Tücke sind die Wechselzonen. Gerade der Übergang vom Radfahren zum Laufen, fühlt sich an „als würde man auf Eiern laufen“ (Zitat: Laura). An Motivation mangelte es also nicht. Nichtsdestotrotz, am Wettkampftag sah man in der Wechselzone nicht nur Rennräder oder Zeitfahrräder, sondern auch das ein oder andere Trekking- UND Damenfahrrad mit einem Korb dran!!!! 

Am Wettkampf- Morgen war ich noch ziemlich nervös und wir hatten für dieses Jahr typisches „Norddeutsches Sommerwetter“, also Regen. Als mein Bruder und ich am Veranstaltungssee ankamen, war alles pitschnass und ich stellte fest, dass nur eine einzige Tasche für die Wechselklamotten nicht die richtige Wahl war. Die Klamotten etc. wurden binnen Minuten „gewässert“, für den nächsten Triathlon musste eine verschließbare Kiste (!) her. 

Mein Bruder unterstütze mich vor Ort bei den wenig optimalen Bedingungen. Geschwommen wurde im See und der war: richtig ekelig. Als wir vor dem Start ins Wasser gingen, versank ich im Morast. Bis zu den Knien steckte ich zeitweise im Schlamm. Die „Silberrücken- Teilnehmer“ oder Veteranen des Sports waren schon an den See gewöhnt und gaben mir den Tipp, den Versuch zu unterlassen sich vorher hinzustellen, sondern frühzeitig an Land in rhythmische Schwimmbewegungen über zu gehen. 

Und dann ging es los, der Startschuss fiel. Knapp 180 Teilnehmer schwimmen gleichzeitig los. Als ich da mitten drin steckte, kam es mir eher wie ein Boxkampf vor. Wenn 180 Leute gleichzeitig starten und man sich unter Wasser nicht orientieren kann – z.B. weil der Schlamm alles tief schwarz färbt – versucht man schnell in seinen eigenen Rhythmus zu finden. Dabei wird wenig Rücksicht auf die Leute drumherum genommen. Bedeutet: Beim Kraulen und beim Schlagen mit den Beinen trifft man Personen um sich herum und wird von anderen Personen getroffen. Die ersten 100 Meter ist es nichts anderes als ein sprichwörtlicher Schlagabtausch. 

Ich konnte mich gut lösen und bin nach dem Schwimmen unter den ersten 30 gewesen. Dann kam die erste Wechselzone: das Fiasko. Man muss betonen, dass es meine erste Wechselzone war und noch kein Meister vom Himmel gefallen ist! Aber ich war so langsam in der Wechselzone, also ihr versteht mich: brutal langsam. Ich wollte mir für das Fahrradfahren und Laufen direkt meine kniehohen CEP Kompressionssocken anziehen, aber die Beine waren – rückblickend wenig überraschen – nass und die Socken eng. Schlechte Kombination! Ich habe also mit dem Anziehen gehadert und viel Zeit verloren. Vor allen Dingen, als ich es endlich geschafft hatte meine erste Socke anzuziehen, habe ich festgestellt, dass diese auf dem falschen Fuß war. Was für ein Einstand!

Effektiv lag ich bei knapp 10 Minuten. Normalerweise braucht der erfahrene „Silberrücken- Triathlet“ 1-3 Minuten. Leicht verstimmt bin ich anschließend auf dem Fahrrad gestartet und ich hatte endlich den ersten direkten Vergleich mit meinen Fähigkeiten und anderen auf dem Rad. Ich habe mich zu dem Zeitpunkt auch von der Stimmung mitreißen lassen und wurde ambitionierter. Meine Verstimmung durch die Wechselzone verflog schnell, denn ich machte einen Platz nach dem anderen auf der Strecke gut! 

Mich motiviert es immer Leute vor mir zu sehen, die ich noch einholen kann. Das feiere ich dann kurz mit einem kleinen Ausruf „SCHUB“! Nicht immer natürlich, sondern eher als Ritual zur Motivation auf der Strecke. Ich denke ich habe damit so 30 Plätze auf dem Rad nach dem Verlust in der Wechselzone wieder gutgemacht. 

In der zweiten Wechselzone war es genauso wie Laura es beschrieb. Als ich mit dem Laufen anfing hat es sich sehr unrund angefühlt – fast wie auf Eiern. Die Oberschenkelmuskulatur war noch immer auf das Fahrradfahren eingestellt. Aber das vergeht nach den ersten 500 Metern ganz gut und ich habe zügig das Rennen beendet. Am Ende wurde ich Platz 43 und war nun tatsächlich ein echter Triathlet. Ihr werdet es kaum glauben, aber zum Ende hörte sogar der Regen auf! 

Bei meinem nächsten Triathlon in Hamburg, sollte aber alles anders werden…

Generalprobe in Hamburg

Blog 8

Yannick beim ITU World Triathlon 16.07.2017
Der erste Triathlon in Hamburg lief schonmal ganz gut

Am 16.07.2017 stand der Hamburg Wasser World Triathlon an. Also ein Triathlon in der Stadt, in der wenig später auch das erklärte Ziel – der Ironman – stattfinden sollte. Ich kannte ja bis dato nur den Müden/ Örtze Volkstriathlon, aber die Generalprobe in Hamburg, war wieder was ganz anderes. Wir waren bereits wieder einen Tag früher dort um noch ein bisschen Hamburg zu besuchen und vor allen Dingen, die Sprintdistanzen noch zu sehen. Es war gigantisch wie viel aufgebaut wurde und für meine mittgereisten Freunde und meine Person gab es viel Neues zu entdecken. Auch mein inoffizieller Advisor Lennart war dabei. Der Mann hat letztes Jahr in Maastricht / Limburg den Ironman über die Ziellinie und mich vor allem auf den Geschmack gebracht. Und für uns alle war die Sprintdistanz der Profis am Samstag ein gefundenes Fressen. Der Sprint besteht "nur" aus 500m Schwimmen, 20km Rad und 5km Lauf. Für einen Triathlon also verhältnismäßig kurz, aber die Profis hatten natürlich richtig Tempo drauf.

Eigentlich wollte Lennart mit mir zusammen am Sonntag bei der Olympischen Distanz teilnehmen, aber er hatte ja nichts Besseres zu tun, als sich beim Fußball die Elle zu brechen – Einmal bitte mit Profis arbeiten!! Apropos Profis, die Athleten am Samstag auspowern zu sehen, hat mich extrem motiviert und ich konnte es kaum erwarten am Tag danach bei diesem Ambiente auch anzutreten. Sich also nicht nur auf sich selbst zu konzentrieren, kann nochmal helfen, den Adrenalinspiegel zu pushen.

Für mich stand an diesem Wochenende also die Olympische Distanz an: 1500m Schwimmen, 40 km Fahrrad fahren und 10 km laufen. Beginn am Sonntag um 06:30 in der Binnenalster und dann ab in die Außenalster. An dem Wettkampf Morgen bzw. Nacht, bin ich um 04:30 Uhr aufgestanden und habe mir mein leckeres Huel gemacht und bin dann zum Bike-Check-In um 05:30 vor Ort gewesen. Nach einer kurzen Prüfung von meinem Fahrrad durfte ich meinen Startplatz beziehen. Und zu meiner Begeisterung: meine "Supporter" waren auch schon da. Dann schnell den Neo-Anzug angezogen und los ging es zum Start am Jungerfernstieg. Die ersten 3 Minuten war noch warm machen angesagt und dann ging es unter großem Applaus auch schon los.

4000 Teilnehmer! Im Gegensatz zum Start in Müden, gab es hier einen „Rolling Start“ Alle 3 Minuten sind 150 Leute gestartet. Na ja die ersten 100 Meter waren trotzdem wieder wie ein Boxkampf. Von meiner Gruppe bin ich unter den ersten 10 mit einer Zeit von 26:20 min raus und bin dann bestens gelaunt zur Wechselzone um in meine Fahrradklamotten zu wechseln. Lennart, Laura und Kennedy – die Namen der anderen beiden Mitgereisten – waren bis hierhin sehr zufrieden mit mir! Dann das Wechselzonen Drama...

Wieder die Socken! Dieses Mal hatte ich als Geheimwaffe „Babypuder“ dabei… hat aber leider auch nichts gebracht. Wechselzeit 8:33 Minuten - eine Ewigkeit. Die Socken haben irgendwann aufgegeben und ich bin einfach barfuß los…Schwache Vorstellung bis hierher! Als ich mit dem Fahrrad gestartet bin, fühlte ich mich dann aber wieder ganz gut. Maximale Geschwindigkeit 60 km/h (bergab) und Durchschnitt 37 km/h resultierten in einer Zeit von 01:04:55 Stunden: SCHUB! Zitat Lennart: „Alter wie schnell warst Du bitte?!“ (das bedeutet mir maximale innere Bestätigung!). 

Nächste Wechselzone für das Laufen: Erst gab es wieder eine kurze Diskussion und dann ging es aber los mit meiner Hass-Disziplin Laufen und dann auch noch ohne Socken! Ich habe es mit meinen CEP Socken einfach aufgegeben und bin gestartet. Meine Beine waren leicht, die Atmosphäre puscht und ist um die Alster herum einfach wunderschön. Ich habe es wirklich genossen und war nach 46:20min im Ziel. Endergebnis 02:30:55 Stunden und ein guter Platz 541. Ich habe mich so unendlich gut gefühlt und konnte den großen Ironman nun nicht mehr erwarten, die Generalprobe ist in jedem Fall geglückt. 

Wichtige Erkenntnis war noch, dass man nach einem Triathlon keine längeren Strecken mehr Auto fährt! Ich wurde super müde und musste mir 2 Mal einen Energy-Drink rausholen. Das kann natürlich auch extrem gefährlich werden und daher lieber einen Fahrer oder Fahrerin zum Wettkampf mitnehmen! Vielen Dank auf jeden Fall an die "Supporter" in Hamburg! Bedankt habe ich mich selber auf jeden Fall mit Essen im Steakhouse „Apache“.

Die Wochen danach verflogen nur so und jetzt…Ich schreibe diesen Eintrag am 12.08.2017. Ich bin seit gestern bei einer Freundin in Hamburg. Morgen ist es soweit und meine Family/ Freunde und Bekannte trudeln so langsam in Hamburg ein. Mein bester Freund „Sandkasten Kumpel“ Timo, mit dem ich in der Vorbereitung noch den Halbmarathon in München gelaufen bin, kommt mit seiner Freundin Fabiola aus München um mich anzufeuern. 

Ich muss unter Protest an dieser Stelle noch betonen dass Timo in München schneller war. Er hatte aber auch den Heimvorteil. Ich muss zugeben, dass ich wirklich überwältigt von meinen Freunden / Familie und auch den Kollegen aus der Firma bin, die mir gestern noch viel Erfolg gewünscht haben. Manche Kollegen kommen sogar extra nach Hamburg um sich das morgen mit mir anzutun und dafür bin ich echt dankbar. Mit diesem Umfang der Unterstützung hätte ich nie gerechnet und das sorgt dafür dass ich den Wettkampf morgen mit sehr unterschiedlichen Gefühlen sehe. 

Wie man früher schon vor Weihnachten von seinen Eltern gepredigt bekommen hat: „Vorfreude ist die schönste Freude“ und ich habe die Vorbereitung dank der vielen Menschen sehr genossen. Mein Ziel in Hamburg ist es, den Ironman zu schaffen. Ich freue mich auf die Strecke und die Menschen und am meisten freue ich mich auf die letzten 3 Kilometer beim Laufen. Diese 3 Kilometer sind dazu da, um zu genießen. Man hat die Gewissheit, dass man es schaffen wird und kann die Anspannung fallen lassen und das Ambiente, dieses krasse Jahr, einfach nur rekapitulieren. Ich will mit meinen Freunden / Familie / Kollegen auf der Strecke abklatschen, mit Ihnen feiern und einen genialen Sonntag Abend haben!

An der Ziellinie werde ich dann damit fertig sein, wahrscheinlich vor Erschöpfung zusammenbrechen. Und dann ist das Projekt Ironman erstmal vorbei.

Mein Bruder hat einen bislang sehr treffenden Satz formuliert, der unser beider Werdegang gut beschreibt: Es gibt sehr viel talentierte Sportler als uns, wir werden niemals mit Sport Geldverdienen. Aber in Sachen Willenskraft macht uns keiner was vor. Das ist auch tatsächlich so. Wenn wir uns was in den Kopf gesetzt haben beruflich oder im Sport, können wir uns dafür begeistern und dann ziehen wir das durch.

Na ja am Montag den 14.08.2017 steht ein wichtiger Termin, Konferenz-Call in der Firma an und bis dahin bin ich wieder einsatzbereit! Soweit meine Planung. Noch einmal an alle vielen Dank für den gemeinsamen Weg, Ihr seid Spitze und danke an VEOLIA an die flexiblen Regelzeiten, die die Kombination von Sport und Arbeit ermöglichen und beides effizient kombinieren lässt! Gruß aus Hamburg, der nächste Eintrag wird dann das Ergebnis bewerten...hoffentlich positiv

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